Betriebliches Gesundheitsmanagement
– Eine Übersicht

Spätestens die veränderte Arbeitswelt in Zeiten der COVID-19-Pandemie hat gezeigt: Ein strukturiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement  –  kurz BGM –  wird für Unternehmen immer wichtiger. Aber was ist das eigentlich genau und warum lohnt es sich für den Arbeitgeber, in die Gesundheit von Mitarbeitenden zu investieren? In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick zu den wichtigsten Fakten, Zahlen und Erfolgsfaktoren rund um das BGM. 

BGM und BGF: Was ist das eigentlich?

BGM steht für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Es ist die systematische und strukturierte Entwicklung, Planung sowie Lenkung betrieblicher Strukturen und Prozesse, die die Gesundheit der Angestellten erhalten und fördern sollen. Dabei gibt es zwei Ansätze: 

1. Die Verhältnisprävention

Maßnahmen der Verhältnisprävention zielen auf die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsstrukturen ab. Im Fokus stehen die Arbeitsplatzgestaltung, die Arbeitsstätte, die Arbeitsmittel sowie die restliche Arbeitsumgebung. Mögliche Maßnahmen sind eine ergonomische Arbeitsplatzberatung oder eine Veränderung des Arbeitszeitmodells.

2. Verhaltensprävention

Maßnahmen der Verhaltensprävention beziehen sich auf den einzelnen Menschen und das individuelle Gesundheitsverhalten. Dazu gehören Vorgehensweisen, die die eigene Gesundheitskompetenz stärken, wie zum Beispiel Kurse zur Stressbewältigung oder Programme für gesunde Ernährung.

Gut zu wissen: Nach § 20 des Sozialgesetzbuchs, Fünftes Buch  (SGB V) leisten auch Krankenkassen einen Beitrag zu bestimmten Maßnahmen in diesem Bereich.

 

Warum brauchen Organisationen BGM  –  gerade jetzt?

In den letzten Jahren –  vor allem auch während der COVID-19-Pandemie  –  hat sich die Arbeitswelt stetig verändert. Die Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und -zeit haben aufgrund von Homeoffice und Digitalisierung stark zugenommen. Gleichzeitig erhöhen sich Arbeitspensum und -intensität immer weiter. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fand in der Broschüre „Arbeitswelt im Wandel Zahlen  –  Daten –  Fakten” (Ausgabe 2021) in einer Umfrage, die sie bereits vor der Pandemie durchführte, heraus:

„Viele Erwerbstätige sind von Multitasking, starkem Termin- oder Leistungsdruck sowie von Störungen bzw. Unterbrechungen bei der Arbeit betroffen. Dabei werden starker Termin- oder Leistungsdruck und Störungen bzw. Unterbrechungen bei der Arbeit überwiegend als belastend wahrgenommen.”

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

„Die Beschäftigten wurden nach Schmerzen gefragt, die in den letzten 12 Monaten während der Arbeit bzw. an Arbeitstagen aufgetreten sind. […] Schmerzen im unteren Rücken (Kreuzschmerzen) geben 51 % der Frauen und 44 % der Männer an. Nahezu die Hälfte der Befragten befand sich in den letzten 12 Monaten aufgrund von Rückenleiden in Behandlung.”

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

„Neben Rückenleiden klagt ein großer Teil der Beschäftigten über allgemeine Müdigkeit, Mattigkeit und Erschöpfung. […] Der überwiegende Teil der Befragten war wegen der genannten Beschwerden in den letzten 12 Monaten nicht in Behandlung.”

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Aktuelle Lage der Mitarbeitenden

  • Statista zeigte in der Statistik „Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland bis 2019”: 185.000 Deutsche sind von Burn-out betroffen
  • Der DAK Psychoreport 2021 fand heraus: Von 2010 bis 2020 nahm die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 56 % zu. Die durchschnittliche Falldauer war 2020 mit 39 Tagen so lang wie noch nie. 
  • Das BGM-Beschäftigtenbarometer zeigte: 59,9 % der Beschäftigten verspüren zumindest manchmal das Bedürfnis nach einem Mittagsschlaf –  rund ein Viertel sogar regelmäßig.
  • Eine gemeinsame Studie von YouGov und Swiss Life Deutschland verdeutlicht : 81 % der Menschen litten unter Rückenschmerzen. Knapp die Hälfte der betroffenen Erwerbstätigen (43 %) wünscht sich von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern mehr Unterstützung für die Rückengesundheit. Jeder vierte Fall von Berufsunfähigkeit hat seinen Ursprung im Bewegungsapparat.

Diese Zahlen zeigen: Die Belastungen für Mitarbeitenden nehmen immer weiter zu. Und auch deren Folgen werden immer größer. Neben Rückenleiden sind psychische Probleme eine ernstzunehmende Auswirkung der modernen Arbeitswelt. Beschäftigte wünschen sich zunehmend Unterstützung durch ihre Arbeitgebenden. Es braucht ein betriebliches Gesundheitssystem, das die Menschen dazu anhält, sich mehr zu bewegen, vorzubeugen und auf sich zu achten. 

Wirtschaftliche Aspekte: Was kostet Unternehmen die Arbeitsunfähigkeit?

Im schlimmsten Fall kommt es durch Belastungen am Arbeitsplatz zur Arbeitsunfähigkeit. Und die hat immense Folgen  – nicht nur für die Betroffenen selber, sondern auch für Unternehmen und Wirtschaft. Die BAuA schätzt: 2019 fielen durch Arbeitsunfähigkeit ganze zwei Millionen Erwerbsjahre aus. Multipliziert man diese mit dem durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelt, kommt man auf eine ausgefallene Produktion von 88 Milliarden Euro. Und: Jede und jeder Beschäftigte schafft natürlich durch die eigene Arbeit Werte, die den Verlust noch höher werden lassen: 149 Milliarden Euro betrug der Verlust an Bruttowertschöpfung durch Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2019, so die BAuA.

Rechtliche Aspekte: Gibt es gesetzliche Vorschriften zum BGM?

Der Gesetzgeber nimmt Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beim BGM in die Verantwortung. Maßnahmen des Arbeitsschutzes gehören zu den Grundpflichten der Chefetage und beruhen demnach nicht nur auf Freiwilligkeit. Konkret bedeutet das: Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sollen vermieden, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren abgewehrt und die Arbeit menschengerecht gestaltet werden.

Grundlage dessen ist die gesetzliche Verpflichtung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz (ArbSchG). Das Arbeitsschutzgesetz ist das Gesetz zur „Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes, zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit”. Es regelt die Pflichten und Rechte von Unternehmen und Beschäftigten. Daneben gibt es das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Es regelt Arbeits-, Pausen- und Erholungszeiten zum Schutz der Gesundheit und zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) hingegen bestimmt sicherheitstechnische, arbeitsmedizinische sowie Hygiene-Verordnungen für die Einrichtung und den Betrieb von Arbeitsstätten.

Darüber hinaus ergänzen freiwillige Leistungen des Arbeitgebers die betriebliche Gesundheitsförderung.

Was sind die Vorteile von BGM?

Wie kann ein strukturiertes BGM nun helfen, damit Beschäftigte gesund und die Kosten für Arbeitgebende gering bleiben? Unternehmen, die ihr BGM erfolgreich umsetzen, profitieren von:

  • sinkenden krankheitsbedingten Fehlzeiten
  • geringeren Kosten bei Entgeltfortzahlung und Krankengeld
  • Mitarbeitenden, die sich wohlfühlen sowie motivierter, kreativer und produktiver sind
  • wachsender Identifikation der Mitarbeitenden mit der Organisation sowie gesteigerter Personalbindung
  • Mitarbeitenden, die sich wertgeschätzt fühlen
  • Imagegewinn bei Kundschaft, Konkurrenz und Öffentlichkeit
 
Vorteile bei Beiträgen und Steuern für BGM-Maßnahmen

Daneben gibt es auch steuerliche Vorteile des BGM. Arbeitgebende können für gesundheitsfördernde Maßnahmen bis zu 500 Euro im Jahr für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter lohnsteuer- und beitragsfrei aufwenden. Diese Leistungen müssen zusätzlich zum Lohn gezahlt werden. Dabei ist zu beachten: Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben bereits im Jahr 2008 den Leitfaden Prävention erstellt. Darin sind Qualitätskriterien für Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung festgelegt. Die implementierten BGM- und BGF-Maßnahmen müssen eben diesen Maßnahmen entsprechen, um bezuschusst werden zu können.

 

Die Wirksamkeit eines systematischen BGMs: Der ROI

Wer in präventive Maßnahmen investieren möchte, interessiert sich verständlicherweise für belastbare Nachweise, ob sich diese Investitionen lohnen. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) wertet daher seit 2003 regelmäßig die wissenschaftliche Literatur aus. Den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand für die Jahre 2012 bis 2018 gibt der iga.Report 40 wieder. Die betrachteten Studien wurden in Unternehmen aus verschiedenen Branchen durchgeführt. Das Ergebnis: Über alle Studien hinweg, ergibt sich ein mittlerer Return of Investment (ROI) von 2,7. Ein für BGM-Maßnahmen aufgewendeter Euro würde demnach zu einer Einsparung von 2,70 Euro führen.

In sieben Schritten zum erfolgreichen Gesundheitsmanagement

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Unternehmen, die ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen möchten, sollten systematisch vorgehen. Dabei sollte die Definition von Gesundheitszielen im Fokus stehen. Auf diese sieben Schritte kommt es an: 

 
1. Verantwortlichkeiten festlegen

Ganz wichtig: Gesundheitsmanagement muss als Führungsaufgabe wahrgenommen und verstanden werden. Unternehmensleitung und Führungskräfte müssen den Prozess fördern wie unterstützen.

Verantwortlichkeiten müssen festgelegt werden,  etwa durch die Gründung eines Arbeitskreises Gesundheit

 
2. Mit einer Bestandsaufnahme beginnen

Um vorhandene Gesundheitsprobleme und Gesundheitsressourcen zu ermitteln, startet das BGM mit einer Analyse der Ist-Situation. Folgende Fragen sind wichtig:

  • Welche Einflüsse auf die Gesundheit der Mitarbeitenden lassen sich identifizieren?
  • Wo liegen Missstände vor?
  • Wie ist es um das körperliche und psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden bestellt?
 
3. Projektziele festlegen

Es braucht eine klare Zielsetzung, was mithilfe der Maßnahmen erreicht werden soll. Folgende Fragestellungen sind dabei relevant:

  • Ist das Ziel im Interesse aller Beteiligten?
  • Kann das Ziel erreicht werden?
  • Bis wann soll das Ziel erreicht sein?
  • Wie lässt sich der Erfolg der Veränderung messen?
 
4. Planung und Umsetzung von Maßnahmen

Aus den Ergebnissen der ersten drei Schritte leiten die Verantwortlichen erste Maßnahmen ab und planen die Umsetzung. In dieser Phase werden Entscheidungen getroffen. Dazu gehören:

  • Welche Programme sind an welcher Stelle sinnvoll?
  • Wie lassen sich Programme realisieren?
  • Wer soll einbezogen werden?
 
5. Kontinuierliche Kontrolle der BGM-Instrumente

Die implementierte Methodik muss anhand der definierten Ziele laufend auf Qualität und Wirksamkeit überprüft werden. Falls nötig, wird nach Veränderungsmöglichkeiten und neuen Maßnahmen gesucht.

 
6. Überprüfung der Projektziele

Nach dem vereinbarten Zeitraum werden die Ziele überprüft. Sind alle Teilaspekte erreicht? Wenn dies nicht erfolgt ist, lohnt sich ein genauerer Blick oder die Befragung der Mitarbeitenden.

 
7. Implementierung in das interne System

Ist ein Gesundheitsprojekt beendet und die Ziele überprüft, folgt die Überlegung, wie erfolgreiche Elemente in das interne System integriert werden können.

So weit sind andere Unternehmen im Bereich BGM

Die Trendstudie „#whatsnext2020  –  Erfolgsfaktoren für gesundes Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt” fand heraus:

  • Der gesetzlichen Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung (§ 5 Abs. 1 und 2 ArbSchG) am Arbeitsplatz kommen bislang nur 50,3 % der Organisationen nach.
  • Gesundheitskommunikation wird in 58,9 % der Organisationen umgesetzt.
  • In 13,5 % der Organisationen ist die digitale Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bereits Realität  – dazu zählen vor allem Organisationen mit hohem BGM-Budget. Weitere 14,0 % der Organisationen planen entsprechende Angebote. Dabei im Fokus stehen Gesundheitsportale und Online-Coachings.
  • Der Anteil der Organisationen, die Maßnahmen zum Thema Schlaf und Erholung anbieten, hat sich seit der whatsnext-Studie 2017 deutlich erhöht. 22,3 % haben nun entsprechende Angebote.

 

Für Unternehmen lohnt es sich also, auf ein strategisches BGM zu setzen, um sich so einen echten Wettbewerbsvorteil auf dem Markt zu sichern. Gerade beim Thema Mitarbeiterfluktuation und Fachkräftemangel kann ein starkes BGM überzeugen.

Ausblick: Das sind die Trends im BGM

Die drei wichtigsten Entwicklungen im BGM kurz zusammengefasst:

1. Ein digitales BGM

Ein erfolgreiches BGM sollte an der digitalen Transformation und der sich wandelnden Arbeitswelt ansetzen. Digitale BGM-Angebote können die Förderung der Gesundheit unterstützen –  vor allem bei weniger gesundheitsbewussten, aber digital-affinen Menschen (wie Digital Natives). Menschen nutzen das Internet heutzutage intensiv – laut einer Bitkom-Befragung von 2021 sogar durchschnittlich 10 Stunden am Tag  –  und sollten daher auch im digitalen Umfeld abgeholt werden.

2. Hybride Lösungen

Vor allem seit der Pandemie setzen immer mehr Unternehmen auf flexible Arbeitsorte. Ein Trend, der sicherlich zu großen Teilen erhalten bleiben wird. Daher müssen BGM-Lösungen auch flexibel funktionieren. Das Stichwort lautet: hybride Lösungen. BGM-Angebote, die ausschließlich online funktionieren, werden nicht die Lösung sein, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Eine Kombination aus digitalen und analogen Komponenten erzielt die besten Ergebnisse. Viele Menschen wünschen sich vor allem nach der Pandemie reale Begegnung und Maßnahmen, die nicht am Bildschirm stattfinden.

3. Psychische Gesundheit und Resilienz

Mentale Gesundheit wird immer wichtiger  –  auch am Arbeitsplatz. Wie oben genannte Studien zeigen, nimmt die Häufigkeit der Diagnosen von psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren stetig zu. Nicht zuletzte sind Stress und Unsicherheit die Ursache. Wer entsprechende BGM-Angebote einsetzt, kann vorbeugen und die mentale Fitness seiner Mitarbeitenden erhalten bzw. stärken

Fazit: Am BGM kommt kein Unternehmen mehr vorbei

Vor allem in Zeiten von New Work wird die Gesunderhaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wichtiger. Unternehmen, die das erkennen, profitieren von zufriedenen, leistungsfähigen Angestellten, halten ihre Kosten niedrig und sichern sich so einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Marktbegleitern. Aber auch gesetzlich sind zahlreiche Vorschriften verankert, wie etwa die psychische Gefährdungsbeurteilung, der bisher zu wenige Unternehmen konkret nachkommen. Wer jetzt gegensteuert und entsprechende Präventionsangebote implementiert, kann nachhaltig für seine Mitarbeitenden sorgen. Denn von BGM-Maßnahmen profitieren alle Beteiligten: Angestellte sowie Unternehmen. 

Gesetze und Regularien zum Nachlesen:

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